Warum haben Sie ein Studio in dieser Lage eröffnet
und kein Geschäft in der City?



Gibt es ein Vorbild für Ihre Idee?


Gibt es eine Formel für die richtige oder die schönste Brille?


Welche neuen Maßstäbe möchten Sie in der Beratung setzen?


Kann sich Von Heute jeder leisten?


Was war vor Von Heute? Waren Sie nicht schon einmal selbstständig?






Warum haben Sie ein Studio in dieser Lage eröffnet und kein Geschäft in der City?

Jutta Schlemmer: Anfangs fiel mir die Entscheidung nicht leicht. Entweder klassisch 1a-Lage im Zentrum, wie ich es bereits von Glaswerk gewohnt war und auch schätzte. Oder die verlockende aber gewagte Idee eines Studios mit Terminkultur und der Möglichkeit, ganz neue Maßstäbe in der Beratungsqualität zu setzen. Hier können wir, anders als in offenen Geschäftsräumen, der Persönlichkeit eines Menschen viel mehr Aufmerksamkeit widmen. Leider verzichte ich dabei auf das Schaufenster und die Wahrnehmung durch Laufkundschaft. Das schafft eine besondere Herausforderung, die eine neue Art der Kommunikation verlangt. Um den Menschen eine Idee davon zu geben, was wir Ihnen hier bieten und in welcher Atmosphäre, bedarf es vor allem der Empfehlung durch meine Kunden und somit einer gewissen Portion Geduld. Denn diese Form der Kommunikation ist zwar die edelste und sozialste aber auch die am wenigsten schnelle.



Gibt es ein Vorbild für Ihre Idee?

JS: Nicht in dieser Form. Meine Idee scheint bisher wirklich einzigartig zu sein. Was mich als bekennende Neumünsteranerin natürlich mit einem Quäntchen Stolz erfüllt. Ich habe an vielen Stellen nachgefragt, um Erfahrungen einzuholen. Ich habe lediglich von Augenärzten in Großstädten gehört, die Ihre Praxis um ein Kollektionsangebot erweitert haben. Aber das ist ein anderer Ansatz. Mich bewegt ein besonderes Interesse. Die Brille eines Menschen ist seine beste Empfehlung. Es gibt den modischen Anspruch und Mode ist trotz aller Diktatbemühungen etwas Persönliches. Die richtige Brille findet sich nicht im Nebenbei oder zwischendurch. Schließlich muss die Brille auch Funktion erfüllen und langfristigen Komfort bieten. Die modere Augenoptik hat vieles zu bieten. Das bedarf einer entspannten Beratung, hoher technischer Sorgfalt und Muße. Die Vielschichtigkeit in meinem Beruf bereitet mir große Freude!



Gibt es eine Formel für die richtige oder die schönste Brille?

JS: Das Erleben von Schönheit und Angemessenheit ist nach meiner Auffassung immer situationsbedingt. Im Arbeitsumfeld möchten Sich viele Menschen anders zeigen als im privaten Kreis. Eine Brille bietet seinem Träger die große Chance - und darum wird er gelegentlich von Nicht-Brillenträgern sogar beneidet -, gewisse Facetten seiner Identität zu unterstreichen. Einige Menschen nutzen eine zweite Brille. Es gibt auch Fassungen, für die ergänzend Bügel in unterschiedlichen Designs erworben werden können. Im Büro dezent, abends farbig. Solche Systeme unterscheiden sich allerdings stark in der Qualität. Darauf sollte der Käufer achten.



Welche neuen Maßstäbe möchten Sie in der Beratung setzen?

JS: Nicht jeder Mensch verfügt über das gleiche Talent, sich und seine Vorstellungen auszudrücken. Oder: Es gelingt ihm sonst immer, aber wenn es um eine Brille geht, fällt es ihm besonders schwer. Eine Brille repräsentiert die eigene Identität und verrät etwas über seinen Träger. Sie kann übrigens auch bewusst verschleiern. Um das Richtige zu wählen, bedarf es einer gewissen Zeit und vor allem der Abwesenheit von Ablenkung. In der Ruhe liegt die Kraft. Dieses Sprichwort lässt sich auch hier anwenden. Voraussetzung ist natürlich, dass sich der Kunde hier wohl fühlt. An diesem Ort können wir perfekt auf den Menschen eingehen und ihm die Wünsche von den Augen ablesen.



Kann sich Von Heute jeder leisten?

JS: Werfen Sie bitte einen Blick in unsere Preise und überzeugen Sie sich selbst. Wir berechnen keine zusätzlichen Honorare für die Beratung.



Was war vor Von Heute? Waren Sie nicht schon einmal selbstständig?

Viele Erfahrungen habe ich in meiner Zeit als Gründerin von Glaswerk Optic gesammelt - vor meiner zweiten Heirat, noch unter dem Namen Jutta Mückenheim. Als mir im Jahr meiner Schwangerschaft 2005 das Angebot unterbreitet wurde, meine Anteile an dem gut eingeführten Geschäft zu verkaufen, habe ich angenommen, um mich ausschließlich meiner neuen Aufgabe als jungen Mutter widmen zu können. Obwohl mir dieser Schritt auch schwer fiel, kann ich heute sagen, dass es für meinen Sohn und mich genau das Richtige war. Und auch für meine berufliche Entwicklung; denn nun habe ich meinen Traum von dem jetzigen Geschäftskonzept erfüllen können. Bereits Ende 2006 wurden die Grundsteine für die eigene Kollektion gelegt. Zunächst bin ich im Oktober mit der Unterstützung des Amtes für Wirtschaftsförderung (WTSH) nach Hongkong gereist. Dank fachkundiger Unterstützung habe ich mich aber gegen eine Produktion in China und für eine hochwertigere Produktlinie made in Germany entschieden. Die eigene Kollektion wird heute in der Nähe von Frankfurt gefertigt. Durch die Terminvergabe und dank der Unterstützung meiner tollen Kolleginnen und Mitarbeiterinnen Judith Christiansen und Julie Holthusen ist es mir möglich, mein Kind und die Selbstständigkeit wunderbar zu vereinen.